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Gesundheit und Elternassistenz sind zwei Schwerpunkte in diesem Jahr

Am 4. Februar 2012 berieten Vorstandsfrauen und Mitarbeiterinnen auf einer Klausurtagung über Vorhaben und inhaltliche Schwerpunkte unserer diesjährigen Arbeit.

Seit dem 1. Januar 2012 verfügt unsere Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle über eine neue Mitarbeiterinnen-Ressource, gefördert durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen im Rahmen des Programms zur Stärkung der Fraueninfrastruktur in Berlin. Das neue Projekt trägt den Titel "Geschlecht, Behinderung, Gesundheit, Migration". Wir freuen uns, dass wir nun seit dem 1. September durch unsere neue Mitarbeiterin Ulrike Haase verstärkt werden. Diese zusätzliche Personalstelle ist befristet bis Ende 2013.

Dadurch ist es uns möglich, das wichtige Thema Gesundheit inhaltlich zu bearbeiten und in relevanten Gremien zu vertreten, z. B. im Berliner Netzwerk Frauengesundheit und im Berliner Arbeitskreis „Barrierefreies Gesundheitswesen“. Besonders wichtig sind die Sicherstellung der Nutzung von Vorsorgeleistungen, wie das Mammografie-Screening für schwer mobilitäts- und bewegungseingeschränkte Frauen, eine barrierefreie Zugänglichkeit und Ausstattung von Arztpraxen und Untersuchungsgeräten/-möbeln - insbesondere gynäkologischen, die Verankerung der Themen „Behinderung und Geschlecht“ in medizinischen und pflegerischen Aus- und Weiterbildungen sowie die Hilfsmittelversorgung als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

Migrantinnen mit Behinderungen sind bislang eine wenig beachtete Gruppe. Deshalb werden wir 2012 beginnen, uns ein Bild von ihrer Lebenssituation in Berlin zu machen. Darüber hinaus wollen wir Möglichkeiten der Kooperation und Vernetzung mit Migrantinnenprojekten erschließen.

Ein weiteres, zentrales Thema ist Elternassistenz. In den letzen Jahren stieg der Bedarf an Beratung kontinuierlich. Stark nachgefragt wird unsere Unterstützung bei der Beantragung und Durchsetzung von Elternassistenz bei Sozial- und Jugendämtern. Die Ämter agieren in den einzelnen Stadtbezirken unterschiedlich. Deshalb halten wir es für unabdingbar, dass einheitliche Empfehlungen für die Sozial-und Jugendämter bei der Gewährung von Elternassistenz entwickelt werden. Um hier ein Zeichen zu setzen, beabsichtigen wir einen Entwurf für solche Regelungen zu erarbeiten. Dabei sollen die Erfahrungen und Beispiele aus unserer Gruppe behinderter Mütter einfließen.

Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen ist leider immer noch und immer wieder ein trauriges Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen.
Die aktuelle, repräsentative Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" belegt wissenschaftlich, was viele Expert/-innen erwartet hatten: Frauen mit Behinderung sind zu einem weit höheren Anteil in ihrem Leben von Gewalt, Übergriffen und Diskriminierung betroffen als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung. Frauen mit Behinderung berichten zwei- bis dreimal häufiger davon, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend sexuell missbraucht worden sind. Häufig setzen sich die sexuellen Gewalterfahrungen im Erwachsenenleben fort. Besonders alarmierend ist der Befund bei gehörlosen Frauen. Sie wiesen in allen Formen von Gewalt die höchste Betroffenheit auf: Jeweils drei Viertel der gehörlosen Frauen hatten körperliche (75%) bzw. psychische Gewalt (84%) seit dem 16. Lebensjahr erlebt, 44% sexuelle Gewalt und 87% sexuelle Belästigung.
Link zur Studie: www.uni-bielefeld.de/IFF/for/for-gewf-fmb.html

Wir halten deshalb eine Vernetzung der Berliner Anti-Gewalt-Projekte mit den Beratungsstellen für Gehörlose für dringend geboten und werden diese Kooperation initiieren. Ziel muss es sein, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen für Gehörlose zum Thema Gewalt zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Darüber hinaus setzten wir uns weiterhin für die Schaffung von Barrierefreiheit in den Anti-Gewalt-Projekten ein.

Bei diesen und auch weiteren Themen wünschen wir uns eine Fortsetzung der bisherigen guten Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen sowie der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.

Wir setzen unsere erfolgreiche Arbeit fort -
UN-Behindertenrechtskonvention und Elternassistenz sind Schwerpunkte 2011

Was einige Parteien, Verbände und Organisationen praktizieren, ist auch im Netzwerk Tradition: eine jährliche Klausur im Januar. Am 15.01.2011 berieten die 6 Vorstandsfrauen, eine ehrenamtliche Unterstützerin und die 2 Mitarbeiterinnen über Vorhaben und inhaltliche Schwerpunkte der diesjährigen Arbeit.
UN-Behindertenrechtskonvention und Elternassistenz werden unsere herausragenden Themen sein. Dabei werden wir unsere bisherige gute Zusammenarbeit mit den Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Technologie und Frauen sowie für Integration, Arbeit und Soziales fortsetzen.

Wir wollen uns weiterhin aktiv in den Prozess der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention einbringen, bei der Erstellung eines Berliner Aktionsplans mitwirken und auf eine rasche Umsetzung dringen.
Wir setzen uns dafür ein, dass die frauenspezifischen Regelungen der Konvention durch konkrete Maßnahmen im Land Berlin umgesetzt werden und erarbeiten dafür Vorschläge, z. B. zur Gewaltprävention und zum Schutz vor sexuellen Übergriffen, zur barrierefreien gesundheitlichen und gynäkologischen Versorgung, zur Verbesserung der Erwerbssituation, zur Bewusstseinsbildung sowie zu geschlechtsdifferenzierten Datenerhebungen zum Thema „Behinderung“.
Eine Mitarbeiterin des Netzwerks vertritt die Belange behinderter Frauen in einer entsprechenden Arbeitsgruppe des Landesbeirats für Menschen mit Behinderung und in der ressortübergreifenden Facharbeitsgruppe bei der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.

Zum Thema Elternassistenz gibt es im Netzwerk einen stetig wachsenden Bedarf an Beratung. Stark nachgefragt wird unsere Unterstützung bei der Beantragung und Durchsetzung von Elternassistenz bei Sozial- und Jugendämtern.
Doch ungeachtet der Aufklärungskampagne des Netzwerk zum Recht auf Elternassistenz (2005/2006), der Entschließung der Gleichstellungsminister/-innen-Konferenz zum Rechtsanspruch auf Elternassistenz (2008) und der Arbeitsgruppentätigkeit mehrerer Bundesministerien zur Umsetzung dieser Entschließung (2009/2010) können wir kaum Verbesserungen bei der Unterstützung behinderter Mütter und Väter zur Betreuung und Versorgung ihrer Kinder feststellen.
Deshalb ist es unser Ziel, eine Veranstaltung zum Thema Elternassistenz zu initiieren und zu begleiten. Dabei soll auch über die Einrichtung eines „Berliner Runden Tisches“ von Trägern der Jugend- und Eingliederungshilfe und weiterer Institutionen nachgedacht werden.


Neues Programm – Neu gestaltete Webseite

Wir haben das neue Programm des Netzwerks behinderter Frauen Berlin e.V. für das 1. Halbjahr 2011 herausgegeben.
Ein Highlight ist die Vorstellung der neu aufgelegten Biographie unserer Schirmfrau Marianne Buggenhagen.
Ein zweiter Höhepunkt ist der Reisebericht von zwei langjährigen Teilnehmerinnen des Tanzkurses, die dem „Tango auf der Spur“ durch Argentinien reisten.

Mit dem Online-Auftritt des neuen Programms starten wir unsere neu gestaltete Website. Die technische Umstellung soll den barrierefreien Zugang, die Übersichtlichkeit und die Funktionalität verbessern. Design und Farben bleiben zwecks Wiedererkennung erhalten.

Die neu gestaltete Webseite hat jetzt eine Volltext-Suchfunktion.
Des weiteren haben wir die kobinet-nachrichten eingebunden.
Die Navigation wurde neu geordnet und erweitert.
So zeigen wir unsere Kooperationspartnerinnen und -partner und verlinken zu deren Webseiten.
Unter der Rubrik „Projekte“ informieren wir über den Fortgang laufender Vorhaben.
Mit der neuen Rubrik „Themen“ wollen wir die Gelegenheit wahrnehmen, im Rahmen unserer Arbeitsgruppen- und Gremienarbeit über verschiedene Arbeitsinhalte zu informieren.
Gebärdensprachvideos  geben gehörlosen Frauen Hilfestellung zum Thema „Häusliche Gewalt“.


5. Mai 2010 - Europäischer Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen

Schutz vor Gewalt gegen Frauen jetzt!

Unter dem Motto "Inklusion - Dabei sein von Anfang an" hatte das Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. gemeinsam mit vielen Vereinen, Verbänden und Einzelpersonen zu einer großen Menschenkette in Berlin aufgerufen und diese machtvolle Demonstration aktiv mitgestaltet: über 500 Personen waren gekommen!
Dörte Gregorschewski, Mitarbeiterin des Netzwerks behinderter Frauen Berlin e.V. und Vorstandsfrau des Weibernetz e.V. - Politische Interessenvertretung behinderter Frauen forderte bei der Kundgebung vor dem Reichstag:

"Die Interessenvertretung behinderter Frauen und Behindertenorganisationen gehören an den Runden Tisch zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle gegen Kinder. Mädchen und Frauen mit Behinderung, die in Behinderteneinrichtungen leben, werden noch häufiger Opfer von Gewalt als Nichtbehinderte. Hier darf der Staat nicht wegsehen!"
Siehe  ausführlich im Kalenderblatt beim BZSL 

Offensichtlich haben unsere Forderungen inzwischen etwas bewirkt, denn sie fanden Gehör bei der Bundesregierung. Presseberichten zufolge will die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nun auch Menschen mit Behinderung am Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch beteiligen. Mehr dazu in den  kobinet-nachrichten am 11.05.2010 

 


Unsere Arbeit ist erfolgreich - Schwerpunkte für 2010

Bei den Frauenprojekten in Berlin ist das Thema Behinderung nicht mehr wegzudenken. Die Situation behinderter Frauen wird vielmehr durchgängig als Querschnittsthema beachtet. Dies ist ein wichtiges Ergebnis unserer Klausurtagung am 30. Januar 2010 und stellt einen großen Erfolg unserer Arbeit dar.
So selbstverständlich wie das Thema Behinderung inzwischen in Frauenzusammenhängen wahrgenommen wird, so selbstverständlich muss das Thema Frauen auch in der Behindertenszene berücksichtigt werden. Daran werden wir weiter arbeiten.

Inhaltliche Schwerpunkte im Jahr 2010 werden die Themen Gesundheit und Elternassistenz sein. Beide Bereiche wollen wir im Licht der UN-Behindertenrechtskonvention bearbeiten. Mit der Konvention engagieren wir uns für ein diskriminierungsfreies, barrierefreies Gesundheitswesen und für einen Rechtsanspruch auf  Elternassistenz . Letzterer muss in einem Gesetz zur sozialen Teilhabe verankert werden. Das soll bei der anstehenden Reform der Eingliederungshilfe realisiert werden.

Wir sind erleichtert, dass unsere weitere Arbeit gesichert ist, weil das Netzwerk ab Januar 2010 in die Regelfinanzierung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen aufgenommen wurde. Damit entfällt endlich das regelmäßige Bangen um die weitere Finanzierung.

 


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