20 Jahre Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V.

Das Netzwerk behinderter Frauen in Berlin ist eine Erfolgsgeschichte. Sie begann im November 1992, als engagierte behinderte Frauen mit unterschiedlichen Erfahrungen aus Ost und West die Initiative gegen ihre Benachteiligung als Frauen und als Behinderte ergriffen und die informelle Gruppe "Doppelte Diskriminierung behinderter Frauen" gründeten.
Sie organisierten Treffen mit Frauen- und Behindertenbeauftragten der Berliner Bezirke und gestalteten am 14. Oktober 1994 gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Frauen die Fachtagung „Unbeschreiblich weiblich“ zur Lebenssituation behinderter Frauen in Berlin.
1995 war es dann soweit: Am 11. März wurde das Netzwerk als Zusammenschluss behinderter Frauen gegründet und am 16. Juni als eingetragener Verein. Doppelt hält bekanntlich besser.
Es galt, die gleichberechtigte Teilhabe für Frauen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen durchzusetzen. Diesem Ziel hat sich das Netzwerk bis heute verschrieben. Es ist das einzige frauenpolitische Projekt in Berlin, das behindertenspezifisch und das einzige Behindertenprojekt des Landes, das konsequent frauenpolitisch arbeitet. Als solches „ist es aus der Berliner Landespolitik nicht mehr wegzudenken und eine Institution in Berlin“, stellte Barbara Loth, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Frauen, Arbeit und Integration beim Tag der offenen Tür am 12. Juni 2015 fest..

Sigrid Kwella mit Jubiläumstorte


Sigrid Kwella beim Anschneiden der Jubiläumstorte
© Jillian B. Suffner


Zu den wichtigsten Erfolgen des Netzwerks in den vergangenen 20 Jahren zählt ein maßgeblicher Anteil an der Erarbeitung und der Verabschiedung des Landesgleichberechtigungsgesetzes (LGBG), vor allem der darin enthaltenen frauenspezifischen Regelungen. „Das LBGB trat 1999 als erstes Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen in Deutschland in Kraft und war damit wegweisend für die weitere Entwicklung im Bund, wie in den Ländern“, so Andrea Schatz, Gründerin und langjährige Vorstandsfrau.  
2005 und 2006 führte das Netzwerk eine Aufklärungskampagne "Recht auf Elternassistenz" durch. „Damit prägten wir nicht nur den Begriff der Elternassistenz, sondern stießen die Debatte um dieses wichtige Thema entscheidend an", betont Sigrid Arnade, ebenfalls Gründungs- und langjährige Vorstandsfrau. 2014 gab das Netzwerk den „Wegweiser für Mütter mit Behinderung in Berlin (und Brandenburg)“ heraus.
Auch zum Thema Gesundheit arbeitet das Netzwerk intensiv. Fachfrau Susanne Handrick: „Durch unsere Initiative und Mitarbeit an Fachgesprächsreihen, in Gremien und im Arbeitskreis ‚Barrierefreies Gesundheitswesen‘ werden die Bedarfe behinderter Frauen im Bereich Frauengesundheit zunehmend beachtet“.
Die derzeitigen Schwerpunkte des Netzwerks sind u. a. die Einbeziehung von Frauen mit Behinderung und Migrationsgeschichte sowie Beratung und Gremienarbeit zur sexuellen Gewalt an behinderten Frauen. Die Mitarbeiterinnen der Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle des Netzwerks sind Ansprechpartnerinnen für alle Frauen Berlins, egal mit welchen Behinderungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Es werden psychosoziale und sozialrechtliche Beratung angeboten, Raum geschaffen für Selbsthilfegruppen und thematische Angebote gestaltet.
Daniela Reinhold, Gründerin und Finanzverantwortliche: „Mich macht stolz und ich empfinde es als große Leistung, dass wir es geschafft haben, behinderte Frauen aus Ost und West zusammenzubringen und dass wir die frauen- und behindertenpolitische Arbeit verbinden mit konkreten Angeboten für die Frauen, also mit der Beratung, den Gruppen und Veranstaltungen“.

 Andrea Schatz und Susanne Mansee

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